Deutsche in der Region Kalmar sprechen über Geschichte, Identität und Zugehörigkeit

- Die Menschen, die ich in der Dissertation interviewt habe, haben versucht, das Beste des Lebens in Deutschland mit der neuen Existenz in Schweden zu verbinden, sagt der Ethnologe Barbro Johnsson. Dies hat dazu geführt, dass sie eine gemischte Identität haben und zu „Reisenden“ zwischen verschiedenen Zugehörigkeiten geworden sind. Die Arbeit basiert auf ausführlichen Interviews, die Barbro Johnsson über viele Jahre hinweg geführt hat. Die befragten Personen repräsentieren unterschiedliche Generationen und die Geschichten zeigen völlig unterschiedliche Erfahrungen, es gibt aber auch Gemeinsamkeiten. Den Befragten gemeinsam ist der Wunsch ihrer Familien, ihnen während ihrer Kindheit und Erziehung in Deutschland ein sicheres Leben zu ermöglichen. Die Familien träumten von einem guten Leben und dieser Traum trug dazu bei, dass diese Frauen und Männer schließlich nach Schweden und in die Region Kalmar kamen. Die älteren Interviewpartner haben Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus in der deutschen Geschichte; traumatische Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, als sie von den Alliierten bombardiert wurden oder auf Soldaten der sowjetisch-russischen Armee trafen, die deutsches Territorium betraten. - Einer der Informanten war beispielsweise Zeuge der sogenannten Todesmärsche, bei denen die Konzentrationslager evakuiert werden sollten und die Häftlinge zu Fuß ins Landesinnere Deutschlands marschiert wurden, sagt Barbro Johnsson. Die Jüngeren, die zwischen den 1950er und 1960er Jahren geboren wurden, haben unterschiedliche Erfahrungen mit Deutschland. Einige von ihnen sahen die Folgen des Krieges in Form von zerbombten Häusern und Städten, aber das Charakteristischste an ihren Geschichten ist der Mangel an Verwandten, da viele von ihnen während des Krieges starben. Sie sind bei ihren Eltern aufgewachsen. Auch die Begegnung mit Schweden wird ganz unterschiedlich beschrieben, je nachdem, wann sie angekommen sind, wie alt sie waren und welche Erfahrungen und Erinnerungen sie aus Deutschland mitgebracht haben. Je mehr Zeit seit dem Krieg vergangen ist, desto besser scheint die Behandlung geworden zu sein. Die Älteren erzählen davon, dass sie SS-Schweine oder Hitler-Huren beschimpft wurden, während die Jüngeren aus ihren Begegnungen mit Schweden und den Schweden ganz andere und positivere Erfahrungen machen. Die jüngeren, gut ausgebildeten Frauen glauben, dass sich das Leben in Schweden verbessert hat, weil sie Berufs- und Familienleben leichter vereinbaren können. Am 13. Oktober verteidigt Barbro Johnsson, Abteilung für Kultur- und Medienwissenschaften der Universität Umeå, ihre Doktorarbeit „Deutsche in der Region Kalmar: eine ethnologische Studie über Geschichten über Geschichte, Identität und Zugehörigkeit“. Gegner der Fakultät ist Professor Dieter Müller, Institut für Kulturgeographie der Universität Umeå. Barbro Johnsson arbeitet als 1. Antiquar im Kreismuseum Kalmar. Für weitere Informationen oder ein Interview kontaktieren Sie sie bitte unter Tel. 0480-45 13 11 oder per E-Mail barbro.johnsson@kalmarlansmuseum.se.